Momiji oder der Herbst in Japan
- Anja San

- 12. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 14. März

In Japan trägt der Herbst den Namen Aki (秋) eine Jahreszeit, die dort wie eine leise, farbenreiche Geschichte durch die Landschaft zieht. Wenn sich die Blätter färben, sprechen die Menschen von Kōyō (紅葉) und Momiji (紅葉).
Kōyō beschreibt die Verwandlung des Laubes in warme Gelb- und Rottöne, während Momiji besonders die tiefroten Blätter der Ahornbäume meint, die im Herbst wie kleine Flammen zwischen den Zweigen leuchten.
Die Zeit dieser Verwandlung wandert jedes Jahr wie eine stille Reise durch das Land.
Sie beginnt meist Mitte September auf der nördlichen Insel Hokkaidō und zieht langsam südwärts. In Städten wie Tokio oder Kyoto erreicht sie ihren Höhepunkt oft zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember.
Doch kein Herbst gleicht dem anderen. Temperatur, Höhenlage und Wetter entscheiden jedes Jahr neu, wann die Wälder ihr farbiges Kleid anlegen.
Auch in meinem Garten erzählt jeder Baum seine eigene kleine Herbstgeschichte. Einige lassen bereits ihre Blätter los, als würden sie sich müde zur Ruhe legen. Andere beginnen gerade erst zu glühen und halten ihr buntes Gewand noch eine Weile fest. Doch bald werden die Nächte kälter werden. Der Frost wird leise über den Garten ziehen, und nach und nach werden die Laubbäume ihr letztes Blatt fallen lassen. Dann stehen sie still und kahl da, wie Wächter im Winter.
In Japan betrachtet man das Herbstlaub nicht nur mit staunenden Augen. Es liegt auch eine sanfte Melancholie darin, denn der Herbst erinnert daran, dass alles im Leben vergänglich ist. Dieses Gefühl trägt einen eigenen Namen: Momijigari – das „Jagen der roten Blätter“. Es bedeutet, die Schönheit zu betrachten, gerade weil man weiß, dass sie nur für kurze Zeit bleibt.
Auch für mich beginnt dann eine Zeit der Geduld. Die Laubbäume ziehen in ihr Winterquartier, und beim täglichen Blick in den Garten werden sie viele Wochen fehlen. Der Platz wirkt stiller, fast ein wenig leer, bis eines Tages im Frühling wieder neues Leben erwacht. In Japan sagt man dazu einen einfachen Satz, der viel Weisheit trägt:
„Nur Gegensätze lehren uns die Welt zu verstehen.
Wer die Dunkelheit nicht kennt, kann das Licht nicht sehen.“







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